Nach Beijing

Auf der Straße Richtung Golmud war es zwar kälter als in der Taklamakan, dafür immer noch wüst und leer. Zudem regnete es, als ich morgens in Huatugouzhen losfuhr.
Ich hatte keine große Lust mehr auf diese Landschaft, zusätzlich noch bei Regen. Darum habe nach einigen Kilometern begonnen, bei vorbeikommenden Autos den Daumen rauszusrecken. Das klappte richtig gut und am Abend war ich tatsächlich schon in Golmud, knapp 600km vorangekommen, zwischen durch nur wenig Rad gefahren, den Rest verteilt auf 3 Autos. Durch die Windschutzscheibe habe ich fasziniert die Sandstürme betrachtet.


Golmud ist eine typische chinesische Stadt, ausschließlich Hochhäuser (jeweils mit mindestens 20 Stockwerken), breite Straßen mit Unmengen von Autos und an jeder Ecke gibt es was zu Essen zu kaufen. Früher mussten Reisende hier umsteigen, wenn sie nach Tibet wollten, heute fährt die Lhasabahn bequem in Peking los, und hat Golmud nur noch als Zwischenhalt. Der Bahnhof in Golmud ist und um die Uhr geöffnet. Am Eingang gibt es wieder Flughafenkontrollen, die ich aber austricksen konnte. Zuerst wurde ich mit zusammengeklapptem Fahrrad zurückgewiesen („Verboten!!!“). Ich habe mir darauf eine große Tasche gekauft, und das Rad darin verstaut. Das klappte ganz gut, allerdings haben mich die Kontrolleure nach Messern gefragt und wollten mir nach ehrlicher Antwort mein Opinel abnehmen. Das wollte ich nicht hergeben, also dritter Ansturm auf die Kontrollposten, die müssen ja nicht alles wissen. So stand ich dann wenige Mitten später mit Messer und Fahrrad in der Bahnhofshalle und habe mir gleich ein Ticket für Peking für den nächsten Morgen um 5 Uhr gekauft. Allerdings gab es keinen Sitz- oder Schlafplatz mehr, naja, ist ja nur eine Zugfahrt. Die Nacht schlief ich wie die anderen Reisenden im Wartesaal auf den Bänken.

Die Zugfahrt war eine superinteressante Erfahrung, und hat mich bis jetzt anhaltend beeindruckt. Der Zug war voll, ich hatte Glück und habe einen Sitzplatz für die ersten 20 Stunden gefunden. Eingeklemmt zwischen 3 Familien hatte ich die Möglichkeit, die Mitreisenden zu beobachten. Reisende ohne Sitzplätze wie ich hatten oft Klappsitze dabei, und haben darauf teilweise den ganzen Tag und die ganze Nacht gesessen. Der Zug wurde immer voller. Aber die Stimmung lieb so entspannt. Keine grimmigen Blicke, keine tiefen Seufzer, keine gehobenen Stimmen in den Gesprächen oder dem Personal gegenüber, keine Rempler auf dem Gang, sondern tiefe Ruhe der Mitreisenden, vielleicht sogar hier und da ein Anflug eines Lächelns in den Gesichtern. Geduldig wurde den vielen Verkäufern Platz gemacht, die sich mit ihren Wägen durch die Gänge

Zug1
Schlafenszeit im Zug
Zug2
Nachtruhe im Zug

zwängten. Abends machten die Eltern ihren Kindern Platz auf den Sitzen, damit diese schlafen konnten – auch die Eltern mit Sitzplätzen hatten Klappsitze dabei, mit denen sie sich zur Schlafenszeit der Kinder auf die Gänge setzten. Draussen zog währenddessen ein ganz anderes China vorbei, als ich es bisher kennengelernt habe. Fast wehmütig blickte ich auf die verpassten Landschaften mit Yakherden, Gebetsfahnen auf sanften Hügeln, saftige grüne Ebenen, später Bambuswälder – hier wäre ich auch gerne Rad gefahren. Die letzten 8 Stunden der Reise hatte ich dann leider keinen Sitz mehr. Ich war müde, stehend k.o., beherrschte mich aber doch, immer nch fasziniert von der Ruhe meiner stoischen Leidensgenossen auf dem Gang. Und dann war ich auch schon fast pünktlich in Peking.

Hier ist der Verkehr auf den Straßen rücksichtslos, aber jede Handlung der Autofahrer ist vorhersehbar und ich fühle mich nicht unsicher auf dem Rad. Ich finde ein nettes Hostel, und mache erst mal das, was ich immer nach längeren Etappen gemacht habe, nämlich gar nichts. Dazu passt, dass ich am Wochenende ankomme, und die Visaoffices für Russland sowieso nicht arbeiten. Nur langsam taste ich mich in die Stadt vor, besichtige den Tian´anmen-Paltz und den Eingang der verbotenen Stadt. Und probiere das Essen auf den Straßen. Auf einem Nachtmarkt gibt es Leckeres und Interessantes, Seepferdchen wollte ich aber doch nicht probieren.

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