Weiter durch die Kaukasusländer

Barjumi in Georgien ist ein Kurort mit langer Tradition. Die Stadt wirkt aktuell allerdings sehr verschlafen. Die zerfallenden Bauten zeugen von der ehemaligen Pracht, als die Stadt Tolstoi, Tschaikowski und andere beherbergte. Wir finden bei strömendem Regen in Barjumi unser Etappenziel für den Tag und eine trockene Unterkunft. Abends gibt es leckerste georgische Küche und Wein.


Am nächsten Tag fahre ich früh alleine weiter Richtung Tiblis, das Wetter ist gut, und es geht überwiegend flussabwärts durch georgische Dörfer. Die antiken Ruinen von Uplistsikhe sind Überbleibsel der ältesten georgischen Stadt, und waren bis ins Mittelalter Treff- und Handelpunkt entlang der alten Seidenstraße. In Tiflis dann 2 Tage Hostelleben mit russischen Travellern und noch mehr Wein.


Leider ging die Zeit in Georgien viel zu schnell vorüber, und die 8 Tage waren dem Land nicht angemessen, das habe ich an der Grenze zu Armenien gemerkt. Tschuldigung Georgien, ich komme sicher noch einmal wieder mit Zeit im Gepäck und so weiter.
Armenien ist sehr spannend, Grenzverkehr besteht zum Beispiel aufgrund der chronischen politischen Spannungen mit Azerbaidschan und Türkei nur mit dem Iran und mit Georgien. Trotzdem treffe ich Fremden gegenüber sehr offene, freundliche und hilfsbereite Menschen. Eines Abends finde ich keine Übernachtung, mir ist kalt und ich habe Hunger und mir wird ein Platz am Feuer angeboten, ein Wodka zum Aufwärmen, ein Abendessen und ein Zimmer für mich bereitgestellt. Für das Abendessen kann ich dann doch etwas zahlen, für alles weitere bin ich eingeladen. Wow!
Schon kurz nach der Grenze zu Georgien finden sich kilometerlange Industriefriedhöfe, alte Fabrikhallen und schwere Geräte in oft atemberaubender Landschaft.

90% Armeniens liegen 1000 Meter und mehr über dem Meeresspiegel. Das erklärt, dass es nach der Grenze (nur 500m über dem Meeresspiegel) rasch bergauf ging. Jan Ullrich nannte die steilen langen Anstiege in einem Interview einmal „Tierquälerei“. Naja, bei mir geht es nicht auf Zeit, keiner schaut mir zu, aber ich leide auch ein wenig. Von 500 auf 1868m ging es am ersten Tag (hab mich nur einmal kurz bei einem russischen LAster eingehakt), und am zweiten Tag von 1200m auf 2150m. Dabei wärend des ganzen Anstiegs keine ebene Strecke, kein Ausruhen, sondern nur strampeln. Am Ende wurde ich belohnt mit einem wunderbaren Blick auf den Sewan-See und – als ich dem See näher kam – mit den Angeboten der lokalen Fischverkäufer: geräuchert, gesalzen und luftgetrocknet. Selbstverständlich habe ich alle Verianten ausprobiert bei armenischem Bier am Sewan-See.


Man unterscheidet generell die positiv und die negativ denkenden Radfahrer an der Bewertung der Aufstiege und der Abstiege: Der positiv Denkende sagt: „Das Gute am Aufstieg ist, dass dann meist eine Abfahrt folgt“, der Negative beklagt sich dagegen schon über die Abfahrt, weil er „weiss, was danach kommt“. Ich meckere eigentlich schon mal ganz gerne, aber vom Sewan-See auf dem Weg nach Jerewan bin ich angesichts der langen Abfahrt nur positiv gestimmt (1000 Höhenmeter-Abfahrt über die letzten 25 Kilometer). Die Abfahrt ist so lang, da kann man gar nicht an den nächsten Anstieg denken. Und außerdem erst mal ein paar Tage Pause in Jerewan.

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